Anfang 2026 sagte SpaceX-Chef Elon Musk in einem Podcast, in wenigen Jahren werde der wirtschaftlich überzeugendste Ort für Rechenleistung der Weltraum sein. Sätze wie dieser fallen leicht. Die Rechnung dahinter nicht. Ich habe versucht, sie nicht über einzelne Zahlen nachzuvollziehen, sondern über ihr Grundprinzip: Was macht ein Rechenzentrum im All teurer oder günstiger als eines auf der Erde, und warum eigentlich.
Am Anfang jeder Wirtschaftlichkeitsrechnung im All steht ein Satz, der so nüchtern klingt, dass man ihn leicht überliest. Jedes Kilogramm, das ins All soll, muss erst einmal dorthin transportiert werden, und dieser Transport hat einen Preis. Auf der Erde ist das kein eigenes Thema. Ein Kilo Baustahl kostet ein Kilo Baustahl, ob es nun in Frankfurt oder in Kapstadt verbaut wird. Im All bekommt dasselbe Kilo eine zweite Rechnung obendrauf, die Frachtrechnung, und die ist am Ende oft teurer als das Material selbst.
Genau dieser eine Posten, der Preis pro Kilogramm in die Erdumlaufbahn, entscheidet über fast alles andere in der Kalkulation. Er bestimmt, wie viel Solarfläche sich ein Betreiber überhaupt leisten kann, wie stabil ein Bauteil sein darf, bevor es zu schwer wird, wie viel Ersatzhardware man vorsorglich mitschickt. Wer diesen einen Wert deutlich senkt, verändert die gesamte Rechnung auf einen Schlag. Genau deshalb kreist die öffentliche Debatte fast ausschließlich um diese eine Zahl, und genau deshalb ist sie zugleich die unsicherste im ganzen Vergleich. Aktuelle Berichte von Analysehäusern wie JLL nennen für heutige Raketenstarts Werte im niedrigen vierstelligen Dollarbereich pro Kilogramm. SpaceX selbst peilt mit einer neuen, deutlich größeren Rakete einen Bruchteil davon an, ein Ziel, das bislang nicht erreicht ist.
Auf der anderen Seite der Rechnung steht das, was im All angeblich geschenkt ist, nämlich Energie. In der richtigen Umlaufbahn liefern Solarzellen spürbar mehr Ertrag als auf der Erde, weil Wolken, Nacht und Atmosphäre wegfallen. Das ist der Kern des Musk-Arguments, und für sich genommen stimmt er sogar. Nur wiegt jedes zusätzliche Stück Solarfläche wieder etwas, und was wiegt, muss erst einmal hochgeschossen werden. Der vermeintliche Vorteil verschiebt sich damit von der Stromrechnung auf die Startrechnung, ohne wirklich zu verschwinden. Genau dieses Muster zieht sich durch die ganze Debatte: Fast jeder Kostenvorteil im Orbit taucht an anderer Stelle als Kostennachteil wieder auf.
Ein zweites Prinzip kommt hinzu, das in kaum einer Schlagzeile steht. Reparatur ist auf der Erde ein Vorgang, im All eine Vorabentscheidung. Auf der Erde tauscht jemand eine defekte GPU aus, rechnet mit ein paar Prozent Ausfall im Jahr und macht weiter. Im All bleibt eine defekte GPU genau dort liegen, wo sie kaputtgegangen ist, bis die Mission endet. Also schickt man von vornherein mehr Hardware mit, als man eigentlich braucht, reine Redundanz für den Fall des Versagens. Diese Redundanz kostet wiederum nur eines, nämlich zusätzliches Gewicht, das über dieselbe Frachtrechnung läuft wie alles andere. Ein Kostenposten füttert damit den nächsten.
Zusammengenommen ergibt das eine einfache Leitfrage, die sich bei jeder neuen Meldung zu diesem Thema stellen lässt: Wird hier ein echter Kostenvorteil beschrieben, oder wird nur ein Kostenposten von einer Stelle der Rechnung an eine andere verschoben. Gratis Sonne, gratis Kühlung durch das Vakuum, dazu hat Gafarou im zweiten Teil einiges zu sagen, gratis Grundstück ohne Genehmigungsverfahren, kaum eines dieser Argumente hält dieser Frage stand. Sie sind nicht falsch. Sie sind nur unvollständig, weil sie den Transportposten vergessen, der am Ende doch wieder auftaucht.
In meinen Weiterbildungen nutze ich für so etwas gern eine kleine Übung, bevor überhaupt eine Zahl fällt. Ich frage die Teilnehmenden, was an einem Rechenzentrum im All eigentlich anders ist als an einem auf der Erde, und fast alle Antworten drehen sich sofort um Vorteile: kühl, sonnig, unbewohnt. Kaum jemand nennt als erstes den Transport. Dabei ist er der Posten, an dem am Ende die ganze Rechnung hängt.
Deshalb lohnt sich bei diesem Thema weniger der Blick auf die zehnte Nachkommastelle einer Kostenschätzung, die sich ohnehin im nächsten Jahr wieder ändert, als der Blick auf das Prinzip dahinter. Wer einmal verstanden hat, dass im All jedes Kilogramm zweimal bezahlt wird, einmal für sich selbst und einmal für die Fahrt dorthin, kann jede neue Zahl aus jeder neuen Pressemitteilung sofort einordnen, ohne sie erst nachschlagen zu müssen. Genau darin unterscheiden sich Musk, der von wenigen Jahren spricht, und andere Beteiligte der Branche, die eher von Jahrzehnten ausgehen, weniger in den Fakten als in der Annahme, wie schnell sich ausgerechnet dieser eine Frachtpreis noch bewegen lässt.
Und genau das ist für mich der eigentliche Kern von KI-Kompetenz bei mycareernow, ob im Grundlagenkurs, im Expertenkurs oder im Automatisierungskurs. Nicht jede einzelne Zahl auswendig zu kennen, sondern das Prinzip dahinter zu verstehen.
Was im Orbit wirklich mit der angeblich gesparten Energie passiert, sobald man die Physik der Kühlung ernst nimmt, dazu kommt Gafarou im zweiten Teil, und seine Antwort dreht die Rechnung an einer Stelle noch einmal um, an der ich sie hier bewusst offengelassen habe.
Wer das nächste Mal liest, ein Rechenzentrum im All spare Kosten, kann sich eine einzige Frage stellen: An welcher anderen Stelle der Rechnung taucht dieser Preis gerade wieder auf?






















































